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Auszug aus der Einführung der Ausstellung im Atrium Hagen
“Neue Ansichten & Aussichten“
Die Bilder von Heinz Brück biedern sich dem Betrachter nicht an. Sie bedienen keinen vordergründigen Geschmack, sie richten sich nicht nach einer vermeintlich mehrheitsfähigen Meinung, sie folgen keiner konformen Ästhetik.
Die verschiedenen Motive sind mal mehr, mal weniger abstrakt. Auf einigen Bildern können wir unmittelbar Figuren und Objekte als solche identifizieren, erkennen, andere dagegen bleiben uns rätselhaft, symbolbezogen oder sogar völlig themenfern. Auf anderen wiederum erkennen wir Kreuze, Linien, Schriften und mitunter ja auch Personen, Landschaften, Gegenstände. Bisweilen kommt es zu Serien, wie beispielsweise jener mit dem roten Tuch, das in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und Umständen immer wieder erkennbar wird.
Es gibt aber auch Bilder, die eine direkte, starke politische Haltung signalisieren. Eine fast trostlose Umgebung, in der ein Kind zum letzten, zum einzigen Lichtblick wird, mahnt uns. die eigene Gegenwart nicht länger leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Zahl 2005 auf einem anderen Bild erinnert an die letzte Bundestagswahl, ein Kreuz inmitten einer schwarz-roten Umgebung, die ihrerseits als unfertige Baustelle gedeutet werden kann: Ein Fluss scheint sich durch die Situation zu schlängeln und damit das permanente Werden und Verändern des politischen Gestaltens anzudeuten. Und wer mag, der kann schließlich vielleicht auch noch einen Zopf auf dem Bild ausfindig machen, sinnfälliges und augenzwinkerndes Indiz einer ersten Kanzlerin in unserem Land.
Heinz Brück ist ein expressiver Beobachter unserer Zeit und ihrer oft konflikt-beladenen Umstände. In und mit seiner Kunst reagiert der Maler unmittelbar darauf. Im Laufe der letzten Jahre hat sich Heinz Brück eine eigene, individuelle Kunstsprache entwickelt. In Kunstakademie, Seminaren und Kursen hat er sich geschult. Aber nicht etwa, um sich einer Schule anzuschließen, sondern um sich zu befreien, um die eigene innere Stimme besser hören und umsetzen zu können. Die Kunst, die Heinz Brück uns anbietet, ist auch das Produkt eines lebenslangen Erfahrens und Begreifens. Wenn schon nicht wirklich immer entspannt und heiter, so doch immerhin von einer gewissen Gelassenheit und Distanz gegenüber lärmender Hektik und übereiltem Aktionismus getragen. Bei aller Power, die Heinz Brück in den Malprozess einfließen lässt, bleibt doch stets auch genügend Platz für das Nachdenken und Innehalten, das Nachspüren und Prüfen des eigenen Standorts.
Die Landmarken, Hinweisschilder und Wegweiser. die uns Heinz Brück auf seinen Reisen ins kreative Innere zurücklässt, können und sollen nicht immer identifiziert und in ihrer letzten Aussage entschlüsselt werden. Wohl aber fügen sie sich zu kunstvollen Indizien, zu Landkarten mit teilweise ganz bewusst ungewissen Koordinaten. Natürlich geht es bei den Bildern vorrangig um die Seele desjenigen, der sie malt. Aber zugleich öffnet sich im Blick auf vermeintliche Geheimnisse des Künstlers zugleich auch manch Verborgenes in den individuellen Befindlichkeiten von uns Betrachtern. Wir müssen eben nur den Mut und die Bereitschaft zu dieser Öffnung entdecken, müssen uns vom Ballast der Vorurteile und eingefahrenen Sehweisen trennen. Dann, so denke ich, fällt es uns leichter und wird uns zum unmittelbaren Gewinn, angesichts der hier ausgestellten Kunst von Heinz Brück neue Ansichten und Aussichten zu erkennen, zu erfahren und schließlich vielleicht auch zu begreifen.
Autor Andreas Thiemann
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